Zwischen Nähe und Distanz: Wie Corona das Liebesleben verändert hat

von Hildegard Palm
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Die Pandemie hat es geschafft, das gesellschaftliche Leben in jeglicher Hinsicht zu beeinflussen… bis heute. Dementsprechend sind die Folgen weitreichender, als es viele vielleicht vermutet haben. Unter anderem zeigen sich auch Einflüsse auf die Bereiche Nähe, Intimität und Partnerschaft. Ein typisches Beispiel: Während Lock-Downs und Kontaktbeschränkungen physische Begegnungen erschwerten, hat es der digitale Raum geschafft, einen besonderen Stellenwert innerhalb der Gesellschaft einzunehmen. Und genau das zeigt sich unter anderem auch in Bezug auf das Liebesleben und dessen Gestaltung. Viele Menschen haben während Corona neue Routinen entwickelt, die sie bis heute pflegen. Aber was ist heute – zum Beispiel im direkten Vergleich mit der Zeit vor der Pandemie – eigentlich anders? Und welche Entwicklungen sind zu erwarten? Die folgenden Abschnitte setzen sich mit diesen und weiteren Überlegungen auseinander.

Liebe über das Netz: Wenn die Suche nach dem passenden Partner im Internet beginnt…

Egal, ob es darum geht, im Erotikportal ErotikGeek nach einem Abenteuer oder auf einer anderen Seite nach einer festen Beziehung zu suchen: Viele Kontakte entstehen mittlerweile im Netz. Der Trend, der vor Corona bereits verzeichnet werden konnte, hat sich weiter ausgedehnt. Denn: Wer einmal erkannt hat, wie einfach es ist, andere Menschen auf digitalem Weg kennenzulernen, möchte hierauf oft nicht mehr verzichten.

Sätze wie „Lass‘ uns treffen!“ oder „Sorry, ich glaube, wir passen nicht zusammen!“ lassen sich einfacher schreiben als aussprechen.

Was während der Corona Pandemie von vielen als eine Art „Zufluchtsort“ genutzt wurde, ist mehr und mehr zum Standard geworden. Nicht nur für eher introvertierte Menschen, sondern für all diejenigen, die auf der Suche nach dem „perfekten Partner“ fürs Leben oder für eine Nacht nicht mehr unterwegs sein möchten. Flirten von der Couch aus ist für viele zu einer Routine geworden, die sie nicht mehr missen möchten. Hier treffen Komfort, ein gewisses Maß an Bequemlichkeit und Leidenschaft direkt aufeinander.

Viele Menschen wissen, was es bedeutet, sich einsam zu fühlen

Die Lockdowns waren für zahlreiche Menschen definitiv nicht nur mit Langeweile und der Frage „Welche Serie streame ich als nächste?“ verbunden. Stattdessen erlebten sie auf schmerzhafte Weise, was es bedeutet, sich nicht allein, sondern tatsächlich einsam zu fühlen.

Die psychische Belastung, die hiermit verbunden war, sollte auf keinen Fall unterschätzt werden.

Gleichzeitig zeigte sich, dass emotionale Nähe nicht zwangsläufig über körperlichen Kontakt entstehen muss. Die digitale Kommunikation nahm einen immer größeren Stellenwert ein. Egal, ob es darum ging, sich per Video oder am Telefon zu unterhalten: Der Austausch gewann an Bedeutung und wurde wertgeschätzt.

Die entsprechenden Erkenntnisse hallen bei zahlreichen Menschen bis heute nach. Sie wissen, dass es in gewisser Weise eine Art „Luxus“ darstellt, mit anderen in Verbindung treten zu können.

Das Liebesleben innerhalb von Partnerschaften: Viele wissen Freiheiten mehr zu schätzen als früher

Ein Rückblick auf den Beginn der Pandemie zeigt unter anderem auch: Während sich zahlreiche Singles während der Corona Pandemie einsam fühlten, entstanden bei Paaren oft ganz andere Probleme. Vor allem diejenigen, die es nicht gewohnt waren, 24 Stunden am Tag miteinander zu verbringen, gerieten oft an ihre Grenzen. Manche Beziehungsberater berichten, dass sie während der Corona-Zeit deutlich öfter kontaktiert wurden.

Umgekehrt gab es jedoch auch positive Entwicklungen. Diese zeigten sich unter anderem darin, dass manche Paare enger zusammenwuchsen und sich neu entdeckten. Vor allem der Faktor „Kommunikation“ spielte in diesem Zusammenhang eine entscheidende Rolle. Wer „gezwungen“ war, miteinander zu sprechen, erkannte oft, dass es sich definitiv lohnen kann, um eine Partnerschaft zu kämpfen.

Digitale Erotik (weiterhin) auf dem Vormarsch

Die neuen Bedingungen rund um Lock-Downs und Co. führten nicht nur zu einem veränderten Dating-Verhalten, sondern auch zu einem veränderten Umgang mit Sexualität und Erotik.

Wer sich ein wenig mit Statistiken auseinandersetzt, erkennt schnell, dass sich viele Menschen auf einmal mehr als vorher für digitale Erotikangebote interessierten. Die Frage „Wie kann (oder möchte) ich mein Bedürfnis nach Leidenschaft ausleben?“ wurde immer präsenter.

Das Internet bot (und bietet immer noch) die Möglichkeit, Sex anonym auszuleben – entweder allein oder im direkten Austausch mit anderen. Somit wurde das Liebesleben immer digitaler.

Hier zeigen sich ähnliche Entwicklungen wie in Bezug auf Online-Dating. Wer einmal erlebt hat, wie bequem es sein kann, seiner Leidenschaft von der heimischen Couch aus nachzugehen, ist oft regelmäßiger auf den einschlägigen Seiten unterwegs.

Daher ist es sicherlich nicht übertrieben, zu behaupten, dass das Sexleben vieler Menschen vielseitiger wurde.

Die Sache mit der Angst…

Es braucht keine psychologischen Kenntnisse, um zu wissen, dass Liebe und Angst einander beeinflussen können und dass die Corona-Pandemie unter anderem daran beteiligt war, dass sich unter den Deutschen ein gewisses Maß von Krisenmüdigkeit eingestellt hat. Und genau das spiegelt sich teilweise bis heute in der Gesellschaft wider. Etliche Menschen haben während der Pandemie Ängste, unter anderem in Bezug auf Kontrollverluste, entwickelt. Und dieser Aspekt wirkte sich auch auf das Liebesleben aus. Die Folge waren oft Libidoverlust, Unzufriedenheit und ein emotionaler Rückzug.

Oft nutzten die Betroffenen die Zeit, um über sich, ihre Bedürfnisse und das, was sie von ihrem (Liebes-)Leben erwarten, zu reflektieren.
 Wer es schaffte, genau an dieser Stelle anzusetzen und dann gegebenenfalls auch mit seinem Partner/ seiner Partnerin zu sprechen, konnte wiederum oft von einem erfüllteren Sex-Leben profitieren.

Mehr Offenheit und neue Fragen: So hat sich die Gesellschaft seit der Corona-Pandemie in Liebesdingen verändert

Rückblickend betrachtet hat es die Corona-Pandemie geschafft, viele gesellschaftliche Prozesse zu beschleunigen. Themen und Diskussionen rund um alternative Beziehungsformen und sexuelle Selbstbestimmung, aber auch digitale Intimität, standen im Fokus und hallen bis heute nach. Und auch offene Beziehungen und alles, was hiermit in Verbindung steht, wurden auf einmal präsenter und erfuhren einen Imagewechsel.

Über allem stand zudem die Frage: „Wie viel Leidenschaft und Nähe brauchen Menschen wirklich?“.

Oder anders: Vieles von dem, was vorher in Bezug auf Körperkontakt und den Umgang mit Sex als „normal“ galt, wurde hinterfragt und teilweise neu definiert.

So schafften es zahlreiche Menschen, zu erfahren, dass Glück, Nähe und sexuelle Erfüllung auf unterschiedliche Weise erlebt werden können (und dürfen). So wurde der Begriff der Intimität erweitert und mit ihm das Spektrum moderner Lebensmodelle.

Was bleibt nach der Pandemie?

Die Pandemie ist vorbei. Und dennoch wirken etliche der damaligen Veränderungen bis heute nach. Vor allem die digitale Kommunikation ist weiterhin ein fester Bestandteil vieler Menschen.

Virtuelle Möglichkeiten dienen der Intimitätsgestaltung, stellen aber keinen Ersatz für echte Nähe dar. Vielmehr handelt es sich bei ihnen um eine Ergänzung, die diejenigen, die sie nutzen, nicht mehr missen möchten.

Aktuell ist dementsprechend davon auszugehen, dass Fragen, wie: „Was bedeutet Nähe?“, „Wie viel Distanz ist gesund?“ und „Welche Form der Intimität passt zu mir?“ auch in Zukunft noch eine wichtige Rolle spielen und das Leben innerhalb der Gesellschaft bereichern werden.

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