Wuppertaler Jugendamt: Fehlende Unterbringungsplätze belasten Kinderschutz

An der Alexdanderstraße hat das Jugendamt seinen Hauptsitz (Foto: Stadt Wuppertal / Verwaltungsgebäude Alexanderstraße)

Das Jugendamt Wuppertal steht trotz stabiler Fallzahlen bei Kindeswohlgefährdungen vor großen Herausforderungen. Vor allem der Mangel an Unterbringungsplätzen für Kinder in akuten Notlagen erschwert die Arbeit der Behörde erheblich. Gleichzeitig zeigen neue Maßnahmen Wirkung, die nach einer Krise im Jahr 2022 eingeführt wurden.

Fehlende Unterbringungsplätze als größtes Problem
Christine Roddewig-Oudnia, Leiterin des Jugendamts Wuppertal, beschreibt die Situation als angespannt, jedoch nicht dramatisch. Während die Zahl der Inobhutnahmen in den letzten Jahren leicht zurückging – 2023 waren es 292 Fälle im Vergleich zu 320 im Vorjahr –, bleibt die Suche nach geeigneten Unterbringungsplätzen ein großes Problem.

„Manchmal rufen wir bis zu 120 Einrichtungen an, um einen Platz für ein Kind zu finden,“ berichtet Roddewig-Oudnia. Während früher vor allem lokale oder regionale Plätze genutzt werden konnten, müssen Kinder heute teilweise in weit entfernte Regionen wie Bayern oder Ostdeutschland gebracht werden, wenn dort ein freier Platz gefunden wird.

Engpässe vor Feiertagen und in Ferienzeiten
Besonders schwierig gestaltet sich die Situation vor Feiertagen wie Weihnachten oder Ostern sowie vor den Sommerferien. Zu diesen Zeiten steigen die Fallzahlen, weil Lehrkräfte Kinder melden, die sie über die Ferien nicht beobachten können, oder weil familiäre Konflikte aufgrund hoher Erwartungen eskalieren.

Wuppertal verfügt derzeit über 50 Plätze für Kinder, die in Obhut genommen werden müssen. Doch bereits 2023 mussten 21 Prozent der betroffenen Kinder außerhalb der Stadt untergebracht werden.

Gründe für die Knappheit
Roddewig-Oudnia nennt zwei zentrale Gründe für den Platzmangel: den Fachkräftemangel und erhöhte Anforderungen an Einrichtungen. „Durch strengere Vorgaben zur Personalbesetzung können viele vorhandene Plätze nicht belegt werden, da das vorgeschriebene Personal fehlt,“ erklärt sie.

Darüber hinaus verbleiben Kinder in Notunterkünften oft länger als die vorgesehenen sechs Wochen, da keine langfristigen Plätze verfügbar sind. Dies verschärft die Situation zusätzlich, da dadurch weniger Plätze für neue Inobhutnahmen zur Verfügung stehen.

Erfolg durch neue Konzepte und Unterstützung
Um die Belastung des Bezirkssozialdienstes zu reduzieren, wurde 2023 ein neuer Kinderschutzdienst mit 14 Stellen eingerichtet. Diese Mitarbeiter übernehmen seitdem neu gemeldete Fälle von Kindeswohlgefährdung und klären die Situation vor Ort. Damit können die Sozialarbeiter des Bezirkssozialdienstes sich wieder stärker auf ihre reguläre Arbeit konzentrieren, was zu einer spürbaren Entlastung geführt hat.

„Die Einführung des Kinderschutzdienstes war ein entscheidender Schritt, um die Strukturen zu stabilisieren,“ erklärt Roddewig-Oudnia. Zudem entlasten Praktikanten und Werkstudenten die Fachkräfte durch Unterstützung bei Verwaltungsaufgaben. Einige von ihnen entschieden sich nach Studienabschluss für eine Festanstellung im Jugendamt – ein Erfolg, der durch eine enge Kooperation mit Hochschulen ermöglicht wurde.

Ambulante Hilfen nehmen zu
Parallel verzeichnet das Jugendamt eine „enorme Zunahme bei ambulanten Hilfen“. Diese beinhalten den regelmäßigen Besuch von Sozialarbeitern in Familien, um kritische Situationen zu stabilisieren. Die Zahl der betreuten Familien stieg von 1.009 im Jahr 2021 auf 1.215 im Jahr 2024. Auch die Intensität der Einsätze hat sich erhöht: „Früher hatten wir zehn Fälle mit mehr als 20 Stunden Betreuung pro Woche. Jetzt sind es zwischen 30 und 40,“ berichtet Roddewig-Oudnia.

Zukunftsperspektiven und Lösungsansätze
Obwohl viele Probleme durch die neuen Konzepte entschärft wurden, bleibt der Mangel an Unterbringungsplätzen ein drängendes Thema. Gespräche mit Trägern über die Schaffung zusätzlicher Kapazitäten laufen. Zudem hofft das Jugendamt auf eine Anpassung der Fachkräftevorgaben, damit interdisziplinäre Teams künftig stärker eingebunden werden können.

Roddewig-Oudnia betont, dass trotz der Herausforderungen die positiven Seiten des Berufs wieder stärker wahrgenommen werden. „Die Arbeit ist total erfüllend und sinnstiftend,“ sagt sie. Mit weiteren strukturellen Verbesserungen und zusätzlicher Unterstützung könnte der Kinderschutz in Wuppertal nachhaltig gestärkt werden.

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