|
Wuppertal. Wer sich heute für Dinosaurier begeistert, denkt meist an imposante Kreaturen wie den Tyrannosaurus Rex oder Velociraptoren – bekannt aus Film und Wissenschaft. Doch auch in der Region rund um Wuppertal lassen sich Spuren einer fernen Vergangenheit finden. Der Geologe Peter Giesen, einer der führenden Devon-Forscher Europas, gibt Einblicke in die geologische Geschichte des Bergischen Landes – insbesondere mit Blick auf die Zeit des Jura vor etwa 200 bis 145 Millionen Jahren.
Tropisches Klima und flache Inselwelten
Während der Jurazeit war das heutige Bergische Land Teil einer ausgedehnten Inselwelt, die sich in einem tropisch-subtropischen Flachmeer erstreckte. Infolge der damaligen Kontinentalverschiebungen befand sich die Region geografisch dort, wo heute Nordafrika liegt. Das Rheinische Schiefergebirge, heute ein fester Bestandteil der Mittelgebirgslandschaft, hob sich damals nur leicht über den Meeresspiegel. Die umliegenden Landmassen – darunter Teile des heutigen Nordamerikas, Skandinaviens und Nordafrikas – rahmten diese Inselwelt ein. Der offene Ozean, das sogenannte Tethys-Meer, lag südöstlich der heutigen Alpen.
Kaum erhaltene Gesteine aus der Jurazeit
Aus der Jurazeit selbst existieren im Bergischen Land keine erhaltenen Fossilien. Zwar wurden in dieser Periode zahlreiche Sedimente abgelagert, doch geologische Prozesse wie Erosion und die Hebung des Schiefergebirges führten dazu, dass entsprechende Gesteinsschichten weitgehend verschwunden sind. Entsprechend fehlen direkte Fossilfunde aus dieser Zeit. Hinweise auf damalige Lebensformen stammen daher überwiegend aus angrenzenden Regionen.
Indirekte Spuren der Dinosaurier
Dinosaurierspuren, insbesondere von großen Pflanzenfressern und Raubtieren, sind aus Gebieten wie dem Wiehengebirge belegt, das geologisch dem Oberjura zugeordnet wird. Diese Funde lassen darauf schließen, dass ähnliche Tiere auch das damalige Bergische Land durchstreift haben könnten. Konkrete Knochenfunde wurden allerdings erst aus der späteren Kreidezeit bekannt – beispielsweise aus Karstspalten und Höhlen im Sauerland, wo Reste von Dinosauriern, frühen Säugetieren, Schildkröten und Krokodilen entdeckt wurden.
Leben im Jurameer: Reptilien, Korallen und primitive Haie
Obwohl auf dem heutigen Stadtgebiet von Wuppertal keine direkten Zeugnisse erhalten geblieben sind, lässt sich aus geologischen Rekonstruktionen ableiten, dass das umliegende Flachmeer reich an Leben war. Zahlreiche Tierarten dürften dort existiert haben – darunter Korallen, Muscheln, Schnecken, Fische und frühe Haie. Auch größere Meeresreptilien wie Ichthyosaurier, die eine Länge von bis zu fünf Metern erreichen konnten, sind denkbar. Ein Fund bei Bielefeld könnte ein Hinweis auf ihre Existenz in dieser Region sein. Im Kreis Höxter wurde 2007 das Skelett eines Plesiosauriers geborgen, ein weiterer Meeresbewohner, der vermutlich auch das Meer rund um das damalige Bergische Land besiedelte.
Eine urzeitliche Vegetation ohne Blütenpflanzen
Die Flora der Inselwelt unterschied sich erheblich von der heutigen. Blühpflanzen spielten noch keine Rolle, stattdessen dominierten Nacktsamer wie Nadelbäume, Palmfarne und Ginkgos das Bild. Auch Mammutbäume könnten Teil dieser ursprünglichen Vegetation gewesen sein. Die Landschaft war dicht bewachsen und bildete vermutlich einen geeigneten Lebensraum für zahlreiche Tierarten – auch wenn von ihnen heute kaum noch Spuren erhalten sind.
Peter Giesen wurde im Mai mit dem Rheinlandtaler ausgezeichnet – eine Würdigung seiner herausragenden geowissenschaftlichen Arbeiten, insbesondere im Bereich der Paläobotanik. Seine Forschung, unter anderem im Steinbruch Lindlar, trägt wesentlich zum Verständnis der Erdgeschichte des Bergischen Landes bei.
