Studierende der Bergischen Universität Wuppertal haben im Rahmen eines zeitgeschichtlichen Forschungsprojekts die Entstehung der Neuen Bergischen Synagoge in Barmen wissenschaftlich aufgearbeitet. Anlass war eine Anfrage der jüdischen Kultusgemeinde, den langen und komplexen Weg zum Bau der 2002 eingeweihten Synagoge zu dokumentieren. Unter der Leitung der Historikerin Juliane Brauer und des Historikers Sebastian Braun entstand eine Darstellung, die den Neubau in den historischen, gesellschaftlichen und religiösen Kontext der Stadt einordnet.
Während der nationalsozialistischen Novemberpogrome 1938 wurden die beiden Synagogen der jüdischen Gemeinde in Elberfeld und Barmen zerstört. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs existierte jüdisches Leben in Wuppertal nur noch in sehr begrenztem Umfang. Rund 145 Überlebende kehrten in die Stadt zurück. Da die gesamte religiöse Infrastruktur vernichtet war, fanden die ersten Gottesdienste in Räumen des ehemaligen jüdischen Altersheims an der Friedrich-Ebert-Straße statt. Dieser provisorische Zustand prägte das Gemeindeleben über Jahrzehnte hinweg.
Erst am 8. Dezember 2002, genau 64 Jahre nach der Zerstörung der Alten Barmer Synagoge, konnte die Neue Bergische Synagoge in der Gemarker Straße eingeweiht werden. Der Weg dorthin war lang und von strukturellen wie gesellschaftlichen Herausforderungen begleitet. Einen entscheidenden Einschnitt erlebte die Gemeinde Anfang der 1990er Jahre. Durch das 1991 verabschiedete Kontingentflüchtlingsgesetz kamen zahlreiche jüdische Zuwanderer aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland. Innerhalb kurzer Zeit wuchs die Wuppertaler Gemeinde von rund 100 auf mehr als 2000 Mitglieder an.
Mit dem starken Zuzug veränderte sich das Gemeindeleben grundlegend. Viele der neuen Mitglieder hatten in ihren Herkunftsländern kaum Zugang zu religiöser Praxis gehabt. Der Bedarf an religiösen, kulturellen und sozialen Angeboten stieg ebenso wie der Platzbedarf. Der bisherige Betsaal war für die gewachsene Gemeinde nicht mehr ausreichend. Damit rückte der Neubau einer Synagoge erstmals realistisch in den Bereich des Möglichen.
Im Zentrum des universitären Projekts stand die Arbeit mit Zeitzeugen. Da nur wenige schriftliche Quellen zur Entscheidungs- und Bauphase vorlagen, führten die Studierenden Interviews mit insgesamt sechs Beteiligten und Gemeindemitgliedern. Auf diese Weise entstanden neue historische Quellen, die künftige Forschungen ermöglichen. Die Gespräche lieferten nicht nur Einblicke in den Bauprozess, sondern beleuchteten auch den interreligiösen Austausch sowie die Auswirkungen der postsowjetischen Zuwanderung auf die Stadtgesellschaft.
Besondere Bedeutung kommt dem Standort der Synagoge zu. Das Grundstück stellte die evangelische Gemarker Gemeinde kostenfrei zur Verfügung. Dieser Schritt gilt bundesweit als außergewöhnlich und unterstreicht die enge Zusammenarbeit der Religionsgemeinschaften in Wuppertal. Die überregionale Aufmerksamkeit für das Projekt zeigte sich unter anderem darin, dass zur Einweihung der Synagoge auch der damalige israelische Staatspräsident anreiste.
Das Forschungsprojekt wurde bewusst in einem geschützten Rahmen durchgeführt, um den sensiblen Charakter der Zeitzeugenarbeit zu berücksichtigen. Die Ergebnisse überzeugten jedoch so sehr, dass sie nun wissenschaftlich weiterverarbeitet werden. Aus dem Projekt gehen zwei Masterarbeiten und eine Bachelorarbeit hervor, die als Grundlage für eine geplante Publikation dienen sollen. Weitere Formen der öffentlichen Präsentation sind vorgesehen, bedürfen jedoch noch der Abstimmung mit allen Beteiligten.
Studierende der Bergischen Universität dokumentieren die Entstehung der Neuen Synagoge in Wuppertal
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