In Wuppertal steht die Martinszeit vor der Tür – doch hinter den bunten Laternen und fröhlichen Liedern steckt zunehmend ein erheblicher organisatorischer Aufwand. Strengere Sicherheitsvorschriften und umfangreiche Genehmigungsverfahren stellen viele ehrenamtliche Initiativen vor große Herausforderungen. Besonders kleinere Martinszüge kämpfen mit bürokratischen Hürden und steigenden Kosten.
Auflagen abhängig von Größe und Umfang der Züge
Für die Durchführung eines Martinszugs gelten je nach Teilnehmerzahl und Streckenführung unterschiedliche Regelungen. Eine Genehmigung wird erforderlich, sobald mehr als 500 Personen erwartet werden, öffentliche Straßen genutzt oder verkehrsregelnde Maßnahmen wie Absperrungen notwendig sind. Kleinere Veranstaltungen, etwa von Kindergärten, die auf nichtöffentlichen Flächen stattfinden und ohne Reiterumzug auskommen, sind von der Erlaubnispflicht ausgenommen.
Der größte Zug der Stadt wächst weiter
Der bedeutendste Martinszug in Wuppertal wird von der Katholischen Citykirche ausgerichtet. Er startet am 10. November um 17 Uhr auf dem Laurentiusplatz und zählt mit rund 8000 Teilnehmenden inzwischen zu den größten seiner Art in Nordrhein-Westfalen. Seit seiner Einführung im Jahr 2009 hat sich die Veranstaltung von einem überschaubaren Laternenzug zu einem Großereignis entwickelt, das zahlreiche Schulen, Kindertagesstätten und Familien anzieht.
Die Citykirche übernahm die Organisation, nachdem kleinere Veranstalter die gestiegenen Anforderungen nicht mehr bewältigen konnten. Für die Genehmigung eines Zuges sind detaillierte Unterlagen erforderlich: ein Strecken- und Zeitplan, Versicherungsnachweise, Sicherheitskonzepte sowie Bestätigungen zur Eignung des eingesetzten Pferdes. Hinzu kommen zahlreiche Sicherheitsbestimmungen – von der Zahl der Ordner über Warnwesten bis hin zu Beleuchtungsvorgaben. Wird ein Martinsfeuer geplant, sind zusätzliche Genehmigungen notwendig.
Bürokratie bremst Engagement
Der organisatorische Aufwand hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Viele ehrenamtliche Vereine sehen sich mit einer Flut an Formularen und Nachweisen konfrontiert, die für kleinere Strukturen kaum zu bewältigen sind. In der Folge verschwinden immer mehr der traditionellen, kleineren Martinszüge aus dem Stadtbild.
In Stadtteilen wie Nächstebreck ist die Durchführung nur noch durch intensive Unterstützung aus der Bürgerschaft möglich. Eltern übernehmen Aufgaben als Aufsichtspersonal oder Ordner, um die geforderte Sicherheitsquote zu erfüllen – ein Ordner wird pro 50 Teilnehmer verlangt. Trotz dieser Belastung bleibt das Engagement groß, da der Martinstag für viele Familien fester Bestandteil des kulturellen Lebens ist.
Gemeinschaft als Schlüssel zum Erfolg
Im Stadtteil Cronenberg gelingt die Organisation weiterhin reibungslos, weil dort eine starke Vernetzung zwischen Vereinen, Schulen und freiwilligen Helfern besteht. Durch die enge Zusammenarbeit verteilt sich der Aufwand auf viele Schultern, sodass auch größere Züge ohne professionelle Veranstalter umgesetzt werden können.
Der Martinszug im Luisenviertel zeigt exemplarisch, wie stark das Interesse am traditionellen Brauchtum bleibt. Was 2009 mit rund 600 Teilnehmenden begann, zieht heute bis zu 8000 Besucher an. Neben dem Engagement der Citykirche tragen Sponsoren und Hilfsorganisationen wie das Technische Hilfswerk, die Jugendfeuerwehr und die Malteser zum Gelingen bei.
Ein fester Bestandteil regionaler Kultur
Der Martinstag am 11. November erinnert an den Heiligen Martin von Tours, einen römischen Soldaten aus dem 4. Jahrhundert, der durch seine Tat der Nächstenliebe bekannt wurde. Seit 2018 gehört das Martinsbrauchtum in Nordrhein-Westfalen zum immateriellen Kulturerbe des Landes. Mit Liedern, Laternen und dem traditionellen Reiterumzug bewahren die Wuppertaler bis heute eine jahrhundertealte Tradition – trotz wachsender Anforderungen und steigender organisatorischer Last.
Strengere Vorgaben erschweren Wuppertaler Martinszüge – Ehrenamt stößt an Grenzen
Norbert Sdunzik/CCA