Wuppertal,
Vor dem Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium am Johannisberg ist seit Kurzem eine neue künstlerische Arbeit zu sehen. Die Skulptur „Eulensicht“ der bosnischen Künstlerin und Architekturhistorikerin Azra Akšamija ergänzt dort Arno Brekers umstrittene Plastik „Pallas Athene“ und eröffnet eine kritische Auseinandersetzung mit Werk und Urheber.
Die Bronzeplastik „Pallas Athene“ stammt von dem Elberfelder Bildhauer Arno Breker, der als zentraler Künstler des Nationalsozialismus gilt und eng mit dem Regime verbunden war. Seit ihrer Aufstellung im Jahr 1957 ist die Figur immer wieder Gegenstand öffentlicher Debatten. Der Umgang mit dem Werk blieb über Jahrzehnte konfliktbehaftet, insbesondere aufgrund der ideologischen Instrumentalisierung antiker Motive durch die Nationalsozialisten. Im Jahr 2003 wurde die Skulptur von Unbekannten vom Sockel gestoßen und beschädigt.
Um einen zeitgemäßen Umgang mit dem belasteten Kunstwerk zu finden, initiierte die Stadt Wuppertal 2018 mit Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen einen künstlerischen Wettbewerb. Ziel war es, die „Pallas Athene“ nicht zu entfernen, sondern sie durch eine zeitgenössische Intervention kritisch zu kommentieren. Als Siegerin ging Azra Akšamija hervor, die 1976 in Sarajevo geboren wurde und heute in Boston und Graz lebt und arbeitet.
Die nun realisierte Skulptur „Eulensicht“ wurde in der vergangenen Woche im Rahmen einer Veranstaltung am Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium offiziell eingeweiht. Das Werk ist als interaktive Installation konzipiert und funktioniert ähnlich einem Fernrohr. Besucher können durch die Skulptur gezielt auf Brekers Figur blicken und sich dabei mit deren historischer und ideologischer Aufladung auseinandersetzen.
Besonders in den Abendstunden entfaltet die Arbeit eine zusätzliche Wirkung. Ein Lichtstrahl, der aus einem Auge der Eule austritt, richtet sich auf die „Pallas Athene“ und projiziert deren Schatten auf die Fassade des Schulgebäudes. In diesem Zusammenhang wird auch ein mahnender Gedanke zur Bedeutung historischer Erinnerung sichtbar, der die inhaltliche Aussage der Installation unterstreicht.
Mit der „Eulensicht“ erweitert Akšamija die Wahrnehmung der „Pallas Athene“ nicht nur um eine kritische Perspektive, sondern ergänzt das antike Motiv um ein wesentliches Symbol. Die Eule, traditionell ein Zeichen der Weisheit, verweist darauf, dass Athene in der Antike weit mehr war als eine martialische Siegesgöttin. Die künstlerische Intervention verknüpft damit historische Reflexion, Bildung und zeitgenössische Kunst an einem zentralen Ort des öffentlichen Raums.