Ein 26-jähriger Mann steht vor dem Landgericht Wuppertal, da ihm schwerer Raub und Körperverletzung zur Last gelegt werden. Hintergrund ist ein Streit um die Rückzahlung einer Kaution nach der Anmietung eines Fahrzeugs. Die Frage, ob der Angeklagte zuvor Opfer eines Betrugs wurde, spielt im Verfahren eine zentrale Rolle.
Die Anklage: Schwerer Raub und Körperverletzung
Laut Staatsanwaltschaft soll der Angeklagte im Oktober 2023 gemeinsam mit drei weiteren Personen die Geschäftsräume eines Wuppertaler Autovermieters gestürmt haben. Dabei hätten sie einen Mitarbeiter bedroht, einen Gummihammer bei sich geführt und Bargeld sowie andere Wertgegenstände entwendet. Der Vorfall wurde durch Überwachungskameras dokumentiert.
Der Hintergrund: Streit um Kaution
Der Angeklagte schilderte den Sachverhalt in einer durch seinen Verteidiger vorgetragenen Einlassung. Demnach hatte er das Fahrzeug für zwei Tage gemietet, um die Hochzeit seines Bruders zu besuchen. Für die Anmietung habe er eine Leihgebühr sowie eine Kaution in Höhe von 3.000 Euro hinterlegt. Nach der Rückgabe des Fahrzeugs sei ihm zunächst mitgeteilt worden, dass der Wagen keine Schäden aufweise. Doch bei der späteren Rückkehr des Mitarbeiters sei plötzlich von einem Schaden am Rücksitz die Rede gewesen.
Der Angeklagte vermutete daraufhin, Opfer eines Betrugs geworden zu sein, und schlug dem Mitarbeiter vor, einen Teil der Kaution – 1.000 Euro – für die angebliche Reparatur einzubehalten. Dies wurde jedoch abgelehnt. Bei einem weiteren Telefonat zwei Tage später habe der Mitarbeiter schließlich Reparaturkosten in Höhe von 7.000 Euro verlangt. Laut Angeklagtem bestärkte ihn ein Freund in der Annahme, dass es sich um eine betrügerische Masche handle.
Eskalation: Der Überfall auf den Autovermieter
Am 25. Oktober 2023 fuhr der Angeklagte mit drei Begleitern zum Autohaus, um die Rückzahlung seiner Kaution zu fordern. Die Überwachungskameras dokumentierten, wie die Männer, dunkel gekleidet, die Geschäftsräume betraten. Der Angeklagte soll dem Mitarbeiter das Mobiltelefon abgenommen haben, das später an einer Autobahn gefunden wurde. Zudem trug er laut Anklageschrift einen Gummihammer bei sich.
Die Aufnahmen zeigen weiterhin, wie der Mitarbeiter in ein Nebenzimmer gebracht wurde, während die anderen Räume durchsucht wurden – mutmaßlich auf der Suche nach Bargeld. Dabei seien ein Aktenordner und Autoschlüssel entwendet worden.
Der Mitarbeiter, dessen Hände mit Kabelbindern gefesselt worden waren, konnte nach dem Vorfall gemeinsam mit einem unbeteiligten Zeugen die Räume verlassen. Die Tatverdächtigen hatten das Gelände zu diesem Zeitpunkt bereits verlassen.
Der Angeklagte räumte ein, den Mitarbeiter gefesselt zu haben, da er befürchtete, dieser könnte die Gruppe angreifen. Die Videoaufzeichnungen zeigen zudem laute Auseinandersetzungen, Knallgeräusche und teils das Beschädigen der Kameras.
Reue des Angeklagten
In seiner Erklärung betonte der Angeklagte, seine Handlungen zu bereuen. „Die lange Untersuchungshaft war ein Albtraum für mich. Ich habe viel über mein Leben und darüber, welcher Mensch ich sein möchte, nachgedacht“, ließ er vor Gericht verlauten.
Fortsetzung des Verfahrens
Der Prozess wird am 17. Januar 2025 um 9.30 Uhr fortgesetzt. Dabei wird es voraussichtlich auch um die Frage gehen, inwieweit der Angeklagte tatsächlich Opfer eines Betrugs geworden sein könnte und wie dies strafrechtlich zu bewerten ist.