Wuppertal – Nach mehr als zwei Jahrzehnten im Dienst der Gefängnisseelsorge tritt Pfarrer Jönk Schnitzius in den Ruhestand. Sein Wirken erstreckte sich auf die Justizvollzugsanstalten Vohwinkel und Ronsdorf, wo er sowohl Erwachsene als auch Jugendliche betreute.
Schnitzius begann seine Tätigkeit zunächst in der JVA Vohwinkel im Erwachsenenvollzug. 2011 wechselte er in die neu errichtete JVA Ronsdorf, um dort gemeinsam mit einem katholischen Kollegen die Gefängnisseelsorge im Jugendvollzug aufzubauen. Trotz der Belastungen der Arbeit empfand er die Tätigkeit stets als bedeutungsvoll. Die Inhaftierten standen für ihn nicht nur als Täter im Fokus, sondern als Menschen, die durch die Umstände ihrer Lebensgeschichte in die Haft geraten waren.
Sein Alltag bestand aus Einzelgesprächen, Gottesdiensten, Gruppenarbeit und der Begleitung von Projekten. Während der Erwachsenenhaft erlebte er häufiger Resignation und Depression, während im Jugendvollzug verstärkt Konflikte und aggressive Auseinandersetzungen auftraten. Thematisch standen für die Inhaftierten Fragen zum Umgang mit der Haft, zu sozialen Beziehungen außerhalb der Anstalt, zu Suchtproblemen, früherer Gewalt- und Vernachlässigungserfahrungen sowie zur Zukunftsperspektive im Vordergrund.
Besondere Projekte wie ein Theaterprojekt in Zusammenarbeit mit dem Schauspielhaus Wuppertal oder die Einbindung von Studierenden der Kirchlichen Hochschule Wuppertal in die Arbeit mit den Inhaftierten gehörten zu den Höhepunkten seiner Tätigkeit. Schnitzius betonte, dass solche Initiativen den Austausch zwischen Gefangenen und Außenwelt förderten und für beide Seiten bereichernd seien.
Die Arbeit hinter Gittern habe ihn persönlich geprägt: Sie habe das Bewusstsein für die eigenen Freiheiten und Möglichkeiten geschärft und die Fähigkeit gestärkt, Ambivalenzen auszuhalten. Schnitzius hebt hervor, dass jeder Inhaftierte ein Mensch mit Würde sei, unabhängig von seinen Taten.
Der Abschiedsgottesdienst für Pfarrer Jönk Schnitzius findet am Samstag, 30. August, um 12 Uhr in der City-Kirche Elberfeld statt. Superintendentin Ilka Federschmidt wird ihn dort offiziell verabschieden.
Pfarrer Jönk Schnitzius geht nach über 20 Jahren als Gefängnisseelsorger in den Ruhestand
{{count}} Kommentare aus unserer App. Hier kostenlos downloaden.
{{comment.user.name}}
{{comment.text}}