Eine Fahrradtour von West nach Ost, innerhalb von nur zwei Tagen: Von Wuppertal bis zum Brandenburger Tor, mit einem Abstecher auf den Brocken im Harz. Ein Vorhaben, das selbst für geübte Radsportler eine enorme Herausforderung darstellt.
Planung und Aufbruch
Die Strecke erfordert sorgfältige Vorbereitung. Wetterbedingungen, Tageslänge und Routenführung müssen präzise aufeinander abgestimmt sein. Um den höchsten Punkt der Tour, den Brocken, noch vor Sonnenuntergang zu erreichen, war ein Start in den frühen Morgenstunden notwendig. Um 3 Uhr fiel der erste Tritt in die Pedale – hinein in die Dunkelheit über die Wuppertaler Nordbahntrasse, vorbei an Viadukten und Tunneln hoch über der Stadt, begleitet vom ersten Dämmerlicht.
Durch Westfalen und Nordhessen
Der Tagesanbruch führte über die Deutsche Alleenstraße bis zum Möhnesee, der im Morgenlicht wie eine westfälische Riviera wirkte. Danach reihten sich historische Orte aneinander: Rüthen, Warburg und Trendelburg, deren Turm als „Rapunzelturm“ bekannt ist. Im Reinhardswald, derzeit bundesweit diskutiert wegen eines geplanten Windparks, öffneten sich weite Waldlandschaften.
Die Mittagspause fand im Wasserschloss Wüllmersen statt, umgeben von regionaler Gastronomie und Freizeitaktivitäten. Doch längere Unterbrechungen waren kaum möglich – das Ziel lag noch Hunderte Kilometer entfernt.
Flüsse, Burgen und die Annäherung an den Harz
Wichtige Etappenpunkte bildeten die Querungen großer Flüsse. Weser, Saale und Elbe mussten per Fähre überquert werden. Während an der Weser der direkte Übergang wegen der Stilllegung einer traditionsreichen Fährverbindung nicht möglich war, boten alternative Übergänge eine Lösung.
Nach mehr als 200 Kilometern erschien die Burg Adelebsen, wenig später die Burg Plesse. Diese Bauwerke markierten den Übergang zum Harz, dessen Silhouette sich am Horizont abzeichnete.
Aufstieg auf den Brocken
Die Auffahrt zum Brocken stellte den anspruchsvollsten Abschnitt dar. Orte wie Bad Lauterberg, Braunlage und Schierke markierten die Stationen des Anstiegs. Oben angekommen öffnete sich ein Panoramablick über Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen – inmitten des Harzes, nahe dem geografischen Zentrum Deutschlands.
Zwischen Vergangenheit und Gegenwart
Die Weiterfahrt führte durch Regionen mit unterschiedlichen Prägungen: vom wohlhabenden Sauerland über die Fachwerkstädte im Weserbergland bis hin zu den kleinteiligen Dörfern Sachsen-Anhalts. Im Osten traten Leerstand und weniger wirtschaftliche Aktivität deutlicher hervor, gleichzeitig prägten historische Bauwerke, ehemalige LPG-Anlagen und Kleingartenkolonien das Bild.
Ein markanter Halt war Seeland am Concordiasee, einem ehemaligen Braunkohletagebau. Nach der Böschungsrutschung von 2009 blieb die Entwicklung der geplanten Seesiedlung unvollendet. Der Ort vermittelt seither gleichermaßen Aufbruchsstimmung wie Trostlosigkeit.
Auch kleinere Kirchen und Parks an der Strecke, oftmals überraschend gut erhalten oder restauriert, boten stille Einblicke in regionale Kultur und Alltagsleben.
Über Elbe und Fläming nach Brandenburg
Die Überquerung der Elbe erfolgte per Gierseilfähre, begleitet von Radiomusik. Mit dem Wechsel des Ufers veränderte sich die Landschaft: Felder und Wälder dehnten sich weiter aus, die Dörfer lagen weiter auseinander. Die Region vermittelte den Eindruck einer offenen Landschaft, die sich weit nach Osten erstreckt.
Stationen wie Zerbst mit dem Denkmal für Katharina die Große erinnerten an die geschichtliche Verbindung nach Russland. Der Hohe Fläming, einst Jagdrevier der DDR-Führung, präsentierte sich dagegen als ruhige, für den Radsport ideale Hügellandschaft.
Ziel in Berlin
Die letzten Kilometer führten über nahezu durchgehende Fahrradstraßen bis in die Hauptstadt. Dort begann die zwölf Kilometer lange Achse vom Olympiastadion bis zum Berliner Schloss – eine schnurgerade Strecke, deren Dimensionen an die Champs-Élysées erinnern. Schließlich endete die Fahrt am Brandenburger Tor.
Nach knapp 18 Stunden im Sattel und einer Gesamtstrecke von mehreren Hundert Kilometern stand nicht nur die sportliche Leistung im Vordergrund, sondern auch die Erfahrung, die Vielfalt deutscher Landschaften, Städte und Kulturen in verdichteter Form kennenzulernen.
Mit dem Rad quer durch Deutschland
Eine Wochenendtour von Wuppertal bis Berlin über den Brocken
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