Illegale Waffenverkäufe aus Wuppertal vor Gericht

von Daniel Dragon


Vor dem Landgericht Osnabrück hat der Prozess gegen fünf Männer im Alter zwischen 25 und 43 Jahren begonnen, denen unerlaubtes Handeltreiben mit halbautomatischen Schusswaffen vorgeworfen wird. Nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wurde der Waffenhandel vollständig von Wuppertal aus organisiert, auch wenn das Verfahren in Niedersachsen geführt wird.
Die Angeklagten sollen mit ihren illegalen Geschäften Einnahmen von rund 169.000 Euro erzielt haben. Die Taten datieren nach Anklageangaben auf die erste Hälfte des vergangenen Jahres und werden vor einer großen Strafkammer verhandelt.
Im Mittelpunkt des Verfahrens stehen täuschend echt wirkende Pistolen, die keine Originale sind, jedoch technisch voll funktionsfähig sein sollen. Dabei handelt es sich um Nachbauten von Modellen des österreichischen Herstellers Glock, die in der Türkei gefertigt worden sein sollen. Der mutmaßliche Kopf des international agierenden Netzwerks, dem Herstellung und Transport der Waffen zugeschrieben werden, ist nicht angeklagt und hält sich nach Einschätzung der Ermittlungsbehörden außerhalb Deutschlands auf.
Die fünf Angeklagten sollen in Wuppertal als Zwischenhändler fungiert haben. Alle besitzen die türkische Staatsangehörigkeit. Einige leben seit längerer Zeit in Wuppertal und sprechen Deutsch, andere hielten sich ohne gültigen Aufenthaltstitel in Deutschland auf und reisten mutmaßlich ausschließlich für die Waffengeschäfte ein. Gegen zwei der Männer wird daher zusätzlich wegen aufenthaltsrechtlicher Verstöße verhandelt.
Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft agierten die Beschuldigten äußerst konspirativ. Unter falschen Personalien mieteten sie mehrere Wohnungen in einem Mehrparteienhaus in der Kiefernstraße an, die sie sowohl bewohnten als auch zur Abwicklung der Geschäfte nutzten. Zudem sollen sie ein Depot für die aus der Türkei gelieferten Waffen eingerichtet haben. Der genaue Standort dieses mutmaßlichen Waffenlagers wurde bislang nicht benannt.
Die halbautomatischen Pistolen sollen für etwa 1.800 Euro pro Stück verkauft worden sein. Bei größeren Abnahmemengen seien deutlich niedrigere Preise vereinbart worden, teilweise bis zu rund 1.400 Euro je Waffe.
Im Juni des vergangenen Jahres sollen die Angeklagten etwa 100 Waffen von dem Hintermann übernommen und in Wuppertal gelagert haben. Mindestens vier Weiterverkäufe konnten die Ermittler konkret nachweisen. Einer davon führte in die Niederlande. Bei der Rückkehr nach Deutschland wurde die Grenze im Bereich des emsländischen Ortes Twist überquert, der in den Zuständigkeitsbereich der Staatsanwaltschaft Osnabrück fällt. Dies war ausschlaggebend dafür, dass die Behörde die Ermittlungen übernahm und Anklage vor dem Landgericht Osnabrück erhob.
Zum Auftakt des Prozesses machten die Angeklagten keine Angaben zu den Vorwürfen. Nach Angaben der Verteidigung ist jedoch vorgesehen, dass sich die Männer im weiteren Verlauf des Verfahrens zu den Anschuldigungen äußern werden. Das Verfahren wird am 10. Februar fortgesetzt, insgesamt sind zehn Verhandlungstage angesetzt.

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