Wuppertal – Im Rahmen des neuen Podcasts „Wie ich’s gern hätte“, der anlässlich der anstehenden Kommunalwahl Fragen zu politischer Gestaltung und Verantwortungsbewusstsein aufwirft, spricht Schauspieler Harald Krassnitzer über seine Sicht auf die politischen Strukturen und gesellschaftlichen Herausforderungen in Wuppertal.
Seit vielen Jahren lebt der gebürtige Österreicher in Beyenburg und hat eine enge Beziehung zu seiner Wahlheimat entwickelt. Trotz zahlreicher struktureller Probleme sieht Krassnitzer in Wuppertal ein bedeutendes Potenzial – getragen vom außerordentlichen Engagement der Bürgerinnen und Bürger.
Kulturelle Stärke als Ausdruck bürgerschaftlicher Verantwortung
Für Krassnitzer liegt die Stärke der Stadt nicht allein in ihrer Verwaltung oder politischen Führung, sondern in einer aktiven und verantwortungsbewussten Bürgerschaft. Kulturelle Institutionen wie die Historische Stadthalle, das Tanztheater Pina Bausch, das Von der Heydt-Museum oder der Skulpturenpark von Tony Cragg betrachtet er als herausragende Beispiele für zivilgesellschaftliche Mitverantwortung. Diese Einrichtungen verdanken ihren Fortbestand maßgeblich dem Einsatz engagierter Menschen vor Ort – nicht allein städtischem Handeln.
Verwaltung als Hürde für Fortschritt
Kritisch äußert sich Krassnitzer über die bestehende Verwaltungsstruktur der Stadt. Die Vielzahl von Zuständigkeiten, langwierige Genehmigungsverfahren und ein überbordender Regelungsapparat würden notwendige Entwicklungen behindern. Er fordert keine Reduktion der Verwaltung im klassischen Sinne, sondern vielmehr eine klare und bürgernahe Struktur mit transparenten und effizienten Prozessen. Die gegenwärtige Komplexität stelle eine unverhältnismäßige Belastung dar, die viele Bürger abschrecke, sich aktiv einzubringen oder Anliegen durchzusetzen.
Kommunalpolitik als Schlüssel der Demokratie
Mit Blick auf die bevorstehende Kommunalwahl wünscht sich Krassnitzer politische Persönlichkeiten, die konstruktiv gestalten statt lediglich zu verwalten. Entscheidend sei, dass Kandidaten sich mit substanziellen Fragen auseinandersetzen und sich für konkrete Verbesserungen einsetzen. Politik dürfe sich nicht darauf beschränken, Alternativen gegeneinander abzuwägen – vielmehr sei aktives Gestalten im Sinne der Stadtgemeinschaft gefragt. Für Krassnitzer bildet die kommunale Ebene das Fundament demokratischen Zusammenlebens. Umso wichtiger sei es, dass Bürger das Gefühl entwickeln, Einfluss auf ihre Lebensrealität nehmen zu können.
Beziehungsarbeit zwischen Politik und Bevölkerung
Eine dauerhafte Präsenz von politischen Entscheidungsträgern sei essenziell für das Vertrauen in demokratische Prozesse. Dies dürfe sich nicht auf symbolische Anlässe beschränken, sondern müsse im kontinuierlichen Dialog mit der Bevölkerung bestehen. Krassnitzer plädiert für eine Politik, die auf Beteiligung setzt, statt auf Distanz. Auch die Bürger selbst sieht er in der Verantwortung, sich mit Ideen und Vorschlägen einzubringen – unabhängig von politischer Erfahrung oder Fachkenntnissen. Gestaltungsspielraum sei vorhanden – dieser müsse jedoch aktiv genutzt werden.
Förderung statt Rückzug: Investitionen in Menschen
In der Prioritätensetzung der Stadtpolitik erkennt Krassnitzer ein Missverhältnis: Während Bürger große Teile der kulturellen und sozialen Infrastruktur mittragen, fehle es seitens der Stadt häufig an entsprechender Unterstützung. Investitionen sollten gezielt in Bildungs- und Kulturinstitutionen gelenkt werden, statt in kurzfristige Infrastrukturprojekte oder Verwaltungsoptimierungen. Dabei gehe es nicht um reine Mittelverteilung, sondern um ein grundlegendes Umdenken – hin zu einer Politik, die Potenziale erkennt und stärkt. Für Krassnitzer steht fest: Nachhaltige Entwicklung gelingt nur durch Investitionen in Menschen.
Politisches Mandat als Verantwortung für das Gemeinwohl
Von den Kandidatinnen und Kandidaten der Kommunalwahl erwartet Krassnitzer die Bereitschaft, politische Verantwortung aktiv zu übernehmen und den öffentlichen Diskurs zu beleben. Wer nicht bereit sei, für die Interessen der Bürger zu handeln, sei im kommunalen Wettbewerb fehl am Platz. Entscheidend sei nicht, gegen was man stehe – sondern wofür. Nur so könne eine Politik entstehen, die dem Engagement der Wuppertaler Bürgerinnen und Bürger gerecht wird.
Harald Krassnitzer über politische Verantwortung und Bürgerengagement in Wuppertal
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