Die Energiewende hat in Nordrhein-Westfalen längst begonnen – auf immer mehr Dächern glänzen Solarmodule in der Sonne. Kein Wunder, denn die steigenden Strompreise machen die eigene Stromerzeugung zunehmend attraktiv. Doch bei Investitionskosten zwischen 15.000 und 30.000 Euro für eine Solaranlage mit Stromspeicher stellt sich schnell die Frage: Gibt es finanzielle Unterstützung?
Die gute Nachricht: Auch 2025 existieren verschiedene Fördermöglichkeiten für Photovoltaik in Nordrhein-Westfalen. Die weniger gute: Die Förderlandschaft ist kompliziert geworden, und manche Programme stehen aktuell auf der Kippe. Ein genauer Blick auf die verfügbaren Optionen lohnt sich dennoch – schließlich lassen sich mit den richtigen Förderungen mehrere tausend Euro sparen.
Das Landesprogramm progres.nrw – derzeit im Winterschlaf
Jahrelang galt das Landesprogramm progres.nrw als zentrale Anlaufstelle für Solarförderung in NRW. Über dieses Programm wurden nicht nur klassische Dachanlagen gefördert, sondern auch innovative Projekte wie Fassaden-Photovoltaik oder Carports mit Solardach. Das Problem: Die Fördermittel sind aktuell ausgeschöpft. Wer sich für eine Solaranlage interessiert, muss sich derzeit nach Alternativen umsehen – zumindest auf Landesebene.
Ob und wann das Programm wieder aufgelegt wird, bleibt vorerst unklar. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, und in der Vergangenheit hat das Land NRW durchaus gezeigt, dass Klimaschutzmaßnahmen ernst genommen werden. Bis es soweit ist, verlagert sich der Fokus auf kommunale und bundesweite Fördertöpfe.
Kommunale Förderungen – der lokale Weg zum Zuschuss
Die interessanteste Entwicklung spielt sich auf kommunaler Ebene ab. Zahlreiche Städte in NRW haben eigene Förderprogramme aufgelegt, die teils deutlich großzügiger ausfallen als bundesweite Optionen. Allerdings unterscheiden sich Höhe, Voraussetzungen und Verfügbarkeit erheblich von Stadt zu Stadt.
Düsseldorf zeigt sich besonders spendabel: Die Landeshauptstadt fördert Photovoltaikanlagen mit 1.000 Euro Grundpauschale plus zusätzlich 200 Euro pro Kilowatt-Peak installierter Leistung. Bei einer typischen Anlage mit 8 kWp kommt man so auf 2.600 Euro Förderung. Batteriespeicher werden mit 250 Euro pro Kilowattstunde Speicherkapazität bezuschusst. Die Obergrenze liegt bei 10.000 Euro pro Projekt. Der Haken: Der Antrag muss zwingend vor der Beauftragung einer Installationsfirma gestellt werden. Wer zu früh unterschreibt, geht leer aus.
Köln hat sein Förderprogramm Anfang Juni 2025 wieder aufgenommen, nachdem es Ende 2024 pausiert wurde. Die Förderung „Photovoltaik – klimafreundliches Wohnen in Köln“ richtet sich an Bestandsgebäude und bietet je nach Anlagengröße zwischen 1.500 und 2.500 Euro für die PV-Anlage sowie 500 bis 1.300 Euro für Batteriespeicher. Besonders interessant: Die Förderung deckt bis zu 60 Prozent der Kosten ab. Das Programm läuft vorerst bis Ende 2026 – wer in Köln wohnt, sollte zügig aktiv werden.
Bonn fördert Solaranlagen mit maximal 300 Euro pro Kilowatt-Peak über das Programm „Solares Bonn“. Auch wenn die Fördersumme auf den ersten Blick bescheidener wirkt als in Düsseldorf oder Köln – bei größeren Anlagen summiert sich auch hier einiges.
In Essen und Gelsenkirchen existieren ebenfalls Förderprogramme, allerdings sind die Mittel derzeit ausgeschöpft. Für die Haushaltsjahre 2025 und 2026 wird mit einer Neuauflage gerechnet. Wer in diesen oder anderen Städten lebt, sollte regelmäßig auf den kommunalen Websites nachschauen oder direkt bei der Stadtverwaltung nachfragen. Viele Menschen im Wuppertaler Stadtleben und in anderen NRW-Kommunen verpassen Fördermöglichkeiten schlicht, weil sie nicht wissen, dass ihre Stadt ein eigenes Programm hat.
Bundesweite Förderungen – KfW und Einspeisevergütung
Während kommunale Programme kommen und gehen, bieten bundesweite Förderungen eine gewisse Planungssicherheit. Die wichtigste Option ist der KfW-Kredit 270 „Erneuerbare Energien – Standard“. Bei diesem handelt es sich um einen zinsgünstigen Förderkredit, mit dem bis zu 100 Prozent der Investitionskosten finanziert werden können.
Die Zinssätze des KfW 270 liegen aktuell zwischen 3,71 und 10,78 Prozent effektiv – abhängig von der individuellen Bonität, der Besicherung und der gewählten Laufzeit. Das klingt nach einer großen Spannbreite, und das ist es auch. Wer eine gute Bonität mitbringt und passende Sicherheiten stellen kann, profitiert von günstigen Zinsen unterhalb des marktüblichen Niveaus. Bei schlechter Einstufung kann der Kredit jedoch teurer werden als ein normaler Ratenkredit.
Ein wichtiger Hinweis: Nicht alle Banken vermitteln den KfW 270 an Privatpersonen. Manche Institute konzentrieren sich auf größere gewerbliche Projekte oder bieten das Programm nur ausgewählten Kunden an. Es lohnt sich, hartnäckig zu bleiben und gezielt nach einem Ansprechpartner für KfW-Förderkredite zu fragen. Alternativ bietet die KfW selbst eine Online-Vermittlung passender Finanzierungspartner an.
Neben dem Kredit bleibt die Einspeisevergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz eine relevante Größe. Für Anlagen bis 10 Kilowatt-Peak gibt es bei Teileinspeisung aktuell 7,94 Cent pro Kilowattstunde, bei Volleinspeisung 12,60 Cent. Größere Anlagen zwischen 10 und 40 kWp erhalten 6,88 Cent bei Teileinspeisung und 10,56 Cent bei Volleinspeisung. Diese Vergütungssätze sinken halbjährlich um etwa 1 Prozent, was den Eigenverbrauch zunehmend attraktiver macht als die reine Einspeisung.
Die Einspeisevergütung ist auf 20 Jahre garantiert und bietet damit langfristige Planungssicherheit. Sie läuft parallel zu allen anderen Förderungen und kann problemlos kombiniert werden. Detaillierte Informationen zu den KfW-Förderprogrammen für Photovoltaik sowie zu den aktuellen Vergütungssätzen finden sich auf den entsprechenden offiziellen Websites.
Steuerliche Vorteile nicht vergessen
Neben direkten Zuschüssen und Krediten gibt es einen oft unterschätzten finanziellen Vorteil: die Mehrwertsteuerbefreiung. Seit 2023 entfällt die Mehrwertsteuer auf Lieferung und Installation von Photovoltaikanlagen mit einer Leistung bis 30 Kilowatt-Peak. Das bedeutet eine direkte Ersparnis von 19 Prozent auf die Anschaffungskosten – bei einer 20.000-Euro-Anlage sind das immerhin 3.800 Euro.
Diese Regelung gilt auch für Batteriespeicher, wenn sie zusammen mit einer PV-Anlage installiert werden. Der Gesetzgeber wollte damit Bürokratie abbauen und gleichzeitig einen Anreiz schaffen. Mission erfüllt: Die Mehrwertsteuerbefreiung macht Solaranlagen spürbar günstiger und vereinfacht die Abwicklung.
Auch die Einkommensteuer spielt eine Rolle: Kleine Photovoltaikanlagen bis 30 kWp auf Einfamilienhäusern sind seit 2022 von der Einkommensteuer befreit. Betreiber müssen weder die Einspeisevergütung noch den selbst genutzten Strom versteuern. Das erspart nicht nur Geld, sondern auch den administrativen Aufwand einer Gewinnermittlung.
Praktische Tipps für die Förderung
Die wichtigste Regel bei fast allen Förderprogrammen lautet: Antrag vor Auftrag. Wer bereits einen Vertrag mit einem Installateur unterschrieben hat, verliert in den meisten Fällen den Förderanspruch. Diese Regel gilt sowohl für kommunale Programme als auch für viele bundesweite Förderungen.
Die Kombination verschiedener Förderungen ist oft möglich und sinnvoll. Ein kommunaler Zuschuss lässt sich in der Regel mit dem KfW-Kredit 270, der Einspeisevergütung und den steuerlichen Vorteilen kombinieren. Allerdings sollte man die jeweiligen Förderbedingungen genau prüfen – manche Programme schließen sich gegenseitig aus.
Wer sich durch den Förderdschungel kämpft, sollte auf professionelle Beratung setzen. Viele Solarbetriebe kennen die aktuellen Fördermöglichkeiten und helfen bei der Antragstellung. Auch Energieberatungsstellen oder die Verbraucherzentrale NRW bieten Unterstützung an.
Ausblick und Fazit
Die Förderlandschaft für Photovoltaik in NRW bleibt auch 2025 in Bewegung. Während das Landesprogramm progres.nrw vorerst pausiert, kompensieren kommunale Programme zumindest teilweise die Lücke. Wer in einer Stadt mit eigenem Förderprogramm wohnt, kann sich über substanzielle Zuschüsse freuen.
Die bundesweiten Förderungen bleiben eine solide Basis, auch wenn der KfW-Kredit nicht für jeden die günstigste Finanzierungsoption darstellt. Die steuerlichen Vorteile und die Einspeisevergütung machen die Investition in eine Solaranlage nach wie vor wirtschaftlich interessant – zumal die Strompreise weiter steigen und der Eigenverbrauch zunehmend lohnender wird.
Wer 2025 in Photovoltaik investieren möchte, sollte sich nicht von der unübersichtlichen Förderlandschaft abschrecken lassen. Mit etwas Recherche, rechtzeitiger Antragstellung und der richtigen Kombination verschiedener Programme lassen sich mehrere tausend Euro Förderung sichern. Und am Ende profitiert nicht nur der eigene Geldbeutel, sondern auch das Klima.