Die Deutsche Bahn sieht sich erneut mit Kritik an ihrer Pünktlichkeitsstatistik konfrontiert. Recherchen mehrerer Medien zufolge soll es interne Hinweise darauf geben, dass Fahrten gezielt gestrichen oder vorzeitig beendet werden, um die offiziellen Zahlen günstiger darzustellen. Während Gewerkschaften und Experten von einem seit Langem bekannten Vorgehen sprechen, weist das Unternehmen die Vorwürfe zurück.
Verdacht auf bewusste Eingriffe in den Fahrplan
Aus internen Unterlagen geht hervor, dass stark verspätete Züge nicht selten aus dem Betrieb genommen oder ihre Fahrten verkürzt werden. Auf diese Weise tauchen sie nicht in den Auswertungen zur Pünktlichkeit auf. Kritiker sehen darin den Versuch, ein positiveres Bild des Bahnverkehrs zu vermitteln, als es Reisende tatsächlich erleben.
Die Gewerkschaft der Lokomotivführer bezeichnet solche Praktiken als verbreitet und kritisiert eine bewusste Verfälschung der Leistungsbilanz. Auch in der Region Wuppertal, die stark vom Bahnverkehr abhängig ist, haben Fahrgäste in den vergangenen Monaten wiederholt über kurzfristige Ausfälle und vorzeitige Zugwenden berichtet. Dort, wo Pendler auf die Verbindung in Richtung Düsseldorf oder Köln angewiesen sind, fällt die Unzuverlässigkeit besonders ins Gewicht.
Reaktion der Deutschen Bahn
Das Unternehmen weist die Anschuldigungen zurück und betont, dass keine systematische Manipulation der Pünktlichkeitsstatistik betrieben werde. Zugausfälle oder abgebrochene Fahrten seien in der Regel betriebliche Entscheidungen, die darauf abzielen, größere Störungen im Netz abzumildern. So könne etwa verhindert werden, dass ein einzelner verspäteter Zug weitere Verbindungen blockiert.
Darüber hinaus verweist die Bahn darauf, dass ausgefallene Fahrten in bestimmten Kennzahlen durchaus berücksichtigt werden. Unterschieden werde zwischen der sogenannten betrieblichen Pünktlichkeit – bei der es um die Ankunftszeit der Züge geht – und der reisendenbezogenen Pünktlichkeit, die die tatsächliche Ankunftszeit der Fahrgäste am Zielort erfassen soll.
Zunehmende Ausfälle im Fern- und Regionalverkehr
Die Diskussion fällt in eine Phase, in der die Zahl der Zugausfälle ohnehin steigt. Im Fernverkehr sind laut jüngsten Erhebungen inzwischen rund vier Prozent aller Verbindungen betroffen. Auch im Regionalverkehr, etwa auf der stark frequentierten Strecke durch das Bergische Land, berichten Reisende von wachsender Unzuverlässigkeit.
Der Unmut unter Fahrgästen wächst entsprechend. Während die Bahn ihre Entscheidungen mit dem reibungslosen Betrieb des Gesamtnetzes begründet, fühlen sich viele Reisende durch wiederholte Ausfälle im Stich gelassen. Besonders Pendler, wie sie in Wuppertal in großer Zahl auf die Schiene angewiesen sind, trifft die Entwicklung hart.
Debatte um Bahn-Pünktlichkeit: Vorwürfe gezielter Zugstreichungen
Alessandro Osipov/CCA