Wuppertal – Die neue Vollversammlung der Bergischen Industrie- und Handelskammer (IHK) hat in ihrer konstituierenden Sitzung ein umfassendes Positionspapier zur Verkehrsinfrastruktur verabschiedet. Die Unternehmerinnen und Unternehmer der Region bringen damit ihre zunehmende Besorgnis über den schlechten Zustand der Verkehrswege zum Ausdruck und fordern gezielte Maßnahmen zur Stabilisierung und Verbesserung der Infrastruktur.
Die IHK stellt fest, dass das Bergische Städtedreieck in der Vergangenheit von einer günstigen Verkehrsanbindung profitieren konnte. Infolge jahrzehntelanger Unterinvestitionen in Straßen, Brücken und Schienen sei jedoch ein gravierender Substanzverlust eingetreten, der sich inzwischen zu einem ernsthaften wirtschaftlichen Nachteil entwickle. Die regionale Wettbewerbsfähigkeit sei dadurch zunehmend gefährdet.
Ein zentrales Anliegen der IHK ist die Forderung nach ausreichenden und langfristig gesicherten Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur. Zwar werde das beschlossene Sondervermögen als potenzieller Wendepunkt bewertet, doch reiche allein die Bereitstellung zusätzlicher Mittel nicht aus. Dringend notwendig sei eine umfassende Beschleunigung von Planungsverfahren, die derzeit in vielen Fällen zu langwierig und bürokratisch seien. Auch bei Ersatzbauten von Brücken fordert die IHK eine Entbürokratisierung – etwa durch den Verzicht auf langwierige Planfeststellungsverfahren.
Neben dem Sanierungsbedarf weist die Kammer auch auf punktuelle Kapazitätserweiterungen hin. Diese müssten jedoch nicht zwangsläufig durch vollständige Ausbauten erfolgen. Als Beispiel wird die A3 zwischen Hilden und Opladen genannt: Hier sei bereits seit 2022 bekannt, dass eine temporäre Freigabe des Seitenstreifens eine wirtschaftliche und rasch umsetzbare Lösung darstellen würde – dennoch sei bislang keine Umsetzung erfolgt.
Auch auf kommunaler Ebene sieht die IHK deutlichen Handlungsbedarf. So gebe es bei der Wuppertaler Parkstraße weiterhin keine Fortschritte, nachdem ein Planungsfehler zur Aufhebung des Planfeststellungsbeschlusses geführt habe. Die bestehende Verkehrsbelastung halte jedoch an, weshalb alternative Konzepte gefordert werden. Die Verantwortung für die Lösung solcher Probleme liege aus Sicht der Kammer nicht allein bei den Kommunen, sondern auch bei Landes- und Bundesregierung.
Über die Sanierung hinaus setzt sich die IHK für eine bessere Erreichbarkeit der Innenstädte durch ganzheitlich gedachte Verkehrskonzepte ein, in denen auch wirtschaftliche Anforderungen berücksichtigt werden. Besonders betont wird die Bedeutung eines leistungsfähigen öffentlichen Nahverkehrs. Die aktuelle Lage, insbesondere im Schienenverkehr, wird als untragbar bezeichnet. Es sei notwendig, die Finanzierung langfristig abzusichern und auszubauen, um ein zuverlässiges, sauberes und sicheres Angebot sicherzustellen – nur so könne der Umstieg vom Auto auf öffentliche Verkehrsmittel gelingen.
In ihrem Positionspapier verweist die IHK auf die Folgen einer vernachlässigten Infrastrukturpolitik: Jahrzehntelange Nutzung ohne substanzielle Investitionen habe die Basis des Verkehrssystems geschwächt. Um die wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit Deutschlands und der Region zu sichern, seien nun entschlossene Maßnahmen erforderlich – darunter klare Priorisierungen, ausreichend finanzielle Mittel, schnellere Genehmigungsprozesse und eine konsequente Digitalisierung der Planungsbehörden auf allen staatlichen Ebenen.
Bergische IHK warnt vor wachsendem Standortnachteil durch marode Infrastruktur
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