|
Wuppertal. Der Fall der Wuppertaler Kioskbesitzerin Marlies Lintener, die trotz ihres hohen Alters weiterhin täglich in ihrem Geschäft steht, hatte im Herbst 2025 große Anteilnahme ausgelöst. Zahlreiche Unterstützer beteiligten sich an Spendenaktionen, um der damals 94-Jährigen den Alltag zu erleichtern. Ein Teil der gesammelten Gelder ist jedoch bis heute nicht bei ihr eingetroffen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.
Im Zuge der öffentlichen Berichterstattung waren über die Plattform GoFundMe zwei Kampagnen initiiert worden. Neben Sachleistungen aus der lokalen Wirtschaft – darunter der Einbau eines Treppenlifts und einer barrierefreien Dusche – kamen mehrere Tausend Euro an Spenden zusammen. Ein 30-jähriger Mann, der sich maßgeblich an einer der Aktionen beteiligt hatte, sammelte nach eigenen Angaben rund 8000 Euro ein. Seit November 2025 besteht nach Angaben aus dem Umfeld der Seniorin kein Kontakt mehr zu ihm.
Vertraute der Kioskbesitzerin berichten, dass die gesammelten Mittel bislang nicht vollständig weitergeleitet worden seien. Die Seniorin zeige sich enttäuscht und erkundige sich regelmäßig nach dem Verbleib des Geldes. Der Mann hatte gegenüber dieser Redaktion im Dezember erklärt, er wolle den Verdacht einer persönlichen Bereicherung entkräften. Nach Abzug der Plattformgebühren habe er 7300 Euro erhalten. Ein erheblicher Teil dieser Summe sei für Anschaffungen, Baumaterialien sowie Handwerkerleistungen im Wohnhaus der Seniorin verwendet worden. Ein Restbetrag von knapp 850 Euro stehe noch zur Auszahlung bereit.
Nach Angaben aus dem Umfeld der Betroffenen ist auch dieser Betrag bislang nicht überwiesen worden. Weitere Anfragen der Redaktion blieben unbeantwortet.
Die Plattform GoFundMe teilte mit, der Mann kooperiere und es gebe derzeit keine Hinweise auf betrügerische Aktivitäten. Aus Datenschutzgründen könnten keine Details zu dem Vorgang veröffentlicht werden. Das Unternehmen arbeite mit den Ermittlungsbehörden zusammen.
Die Polizei in Wuppertal leitete im vergangenen Jahr ein Verfahren wegen des Verdachts der Unterschlagung ein. Die Ermittlungen dauern nach Auskunft eines Sprechers der Staatsanwaltschaft weiterhin an. Angaben zum Stand des Verfahrens werden derzeit nicht gemacht.
