WUPPERTAL – In den kommenden Wochen bietet sich Amateurastronomen eine seltene Gelegenheit: Der interstellare Komet 3I/ATLAS, erst im Juli 2025 entdeckt, erreicht Anfang November seine größte Helligkeit und kann mit geeigneter Ausrüstung auch von Wuppertal aus beobachtet werden. Zwar bleibt das Objekt dem bloßen Auge verborgen, doch für Besitzer größerer Teleskope eröffnet sich ein faszinierender Anblick eines Reisenden aus den Tiefen des interstellaren Raums.
Beste Beobachtungszeit vor Sonnenaufgang
Der Komet nähert sich derzeit dem sonnennächsten Punkt seiner Bahn, dem sogenannten Perihel, den er voraussichtlich am 29. Oktober 2025 erreicht. Danach entfernt er sich wieder vom inneren Sonnensystem – und genau diese Phase macht die ersten Novemberwochen zur optimalen Beobachtungszeit.
Für Mitteleuropa, insbesondere den Westen Deutschlands, liegt das günstigste Beobachtungsfenster zwischen dem 1. und 15. November. In den frühen Morgenstunden, etwa zwischen 3.30 Uhr und 6.30 Uhr, steht 3I/ATLAS einige Grad über dem südöstlichen Horizont. Während der Morgendämmerung steigt er leicht an Höhe, bevor die zunehmende Helligkeit des Himmels die Beobachtung erschwert.
Sichtbarkeit und Position am Himmel
Zum Zeitpunkt seiner größten Annäherung an die Sonne wird der Komet eine geschätzte Helligkeit von Magnitude 10 bis 11 erreichen – zu schwach für das bloße Auge, aber ausreichend hell, um ihn mit einem leistungsfähigen Amateur-Teleskop sichtbar zu machen. Seine Position ändert sich von Tag zu Tag, bewegt sich Anfang November im Bereich von etwa Rektaszension 13h bis 14h und einer Deklination zwischen –8° und –4°.
Für genaue Koordinaten und aktuelle Himmelskarten empfiehlt sich der Blick auf spezialisierte Dienste wie TheSkyLive oder JPL Horizons, die die täglichen Ephemeriden des Kometen bereitstellen. Programme wie Stellarium oder SkySafari erleichtern zudem das Auffinden des Objekts und können zur automatischen Teleskopsteuerung genutzt werden.
Tipps für erfolgreiche Beobachtungen
Um den schwachen Lichtschweif von 3I/ATLAS zu erkennen, sind klare Nächte und ein Standort mit möglichst geringer Lichtverschmutzung entscheidend. Wer in Wuppertal oder Umgebung beobachtet, sollte erhöhte Punkte wie den Toelleturm, die Nordbahntrasse im Osten oder freie Feldlagen im Bergischen Land bevorzugen.
Für die visuelle Beobachtung empfiehlt sich ein Teleskop mit mindestens 25 bis 30 Zentimetern Öffnung. Kleinere Geräte zeigen den Kometen nur als schwachen Lichtfleck. Astrofotografen können bei Belichtungszeiten zwischen 60 und 180 Sekunden und Nachführung auf die Kometenbewegung eindrucksvolle Aufnahmen gewinnen. Da sich 3I/ATLAS vergleichsweise rasch über den Sternenhintergrund bewegt, sollte die Position regelmäßig aktualisiert werden.
Ein außergewöhnlicher Besucher
3I/ATLAS ist nach ʻOumuamua (2017) und 2I/Borisov (2019) das dritte bestätigte interstellare Objekt, das unser Sonnensystem durchquert. Seine Bahn ist eindeutig hyperbolisch – das bedeutet, er stammt nicht aus der Oortschen Wolke, sondern aus den Weiten des interstellaren Raums und wird nach dem Vorbeiflug die Sonne wieder verlassen. Spektralanalysen deuten auf einen ungewöhnlich hohen Anteil von Kohlendioxid im ausströmenden Gas hin, was auf eine chemische Zusammensetzung schließen lässt, die sich deutlich von bekannten Kometen des Sonnensystems unterscheidet.
Wer den Blick in den klaren Herbsthimmel wagt, kann in diesen Tagen also Zeuge eines kosmischen Ereignisses werden, das es nur äußerst selten zu beobachten gibt. 3I/ATLAS ist ein Besucher aus einem anderen Sternensystem – und Anfang November bietet sich für Wuppertal und das Bergische Land die beste Chance, ihn zu sehen, bevor er wieder in die Dunkelheit des interstellaren Raums entschwindet.
Interstellarer Besucher am Morgenhimmel – 3I/ATLAS erreicht Anfang November seine beste Sichtbarkeit über Wuppertal
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