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Wuppertal/Solingen – Im laufenden Prozess um den tödlichen Brandanschlag in Solingen, bei dem eine vierköpfige Familie ums Leben kam, rücken neue Vorwürfe gegen den 40-jährigen Angeklagten in den Fokus. Die Staatsanwaltschaft prüft nun, ob der Beschuldigte auch für ein weiteres Feuer in einem Wuppertaler Mehrfamilienhaus im Januar 2022 verantwortlich sein könnte.
Im März 2024 kam es im Treppenhaus eines Wohngebäudes im Solinger Stadtteil Höhscheid zu einem verheerenden Brand. Eine junge Familie mit zwei kleinen Kindern, im Alter von drei Jahren und fünf Monaten, kam dabei ums Leben. Mehrere weitere Bewohner wurden schwer verletzt. Nun deuten neue Hinweise darauf hin, dass der Angeklagte bereits zwei Jahre zuvor in Wuppertal in einen weiteren Brandfall verwickelt gewesen sein könnte.
Die Nebenklageanwältin hatte entsprechende Hinweise in den Prozess eingebracht, woraufhin die Staatsanwaltschaft neue Ermittlungen aufnahm. Im Fokus steht ein Brand im Keller eines Mehrfamilienhauses in Wuppertal, bei dem im Januar 2022 zwei Bewohner durch die Feuerwehr gerettet werden mussten. Verletzt wurde dabei niemand. Ein technischer Defekt an der Heizungsanlage galt damals als wahrscheinliche Ursache, weshalb zunächst keine strafrechtlichen Ermittlungen eingeleitet wurden.
Ein Brandsachverständiger wurde nun damit beauftragt, das Fotomaterial vom damaligen Brandort sowie den aktuellen Zustand des Kellers zu analysieren. Die neuen Untersuchungen sollen klären, ob es Hinweise auf eine vorsätzliche Brandstiftung gibt.
Zum Zeitpunkt des Vorfalls lebte die Lebensgefährtin des Angeklagten in dem betroffenen Gebäude. Der Beschuldigte soll sich vorübergehend dort aufgehalten haben. In dieser Zeit geriet er in einen eskalierenden Nachbarschaftskonflikt mit einem marokkanischen Mitbewohner. Beide erstatteten wechselseitig Strafanzeige – der Angeklagte warf dem Nachbarn unter anderem vor, ihn tätlich angegriffen und bedroht zu haben. Der Zeuge bestreitet diese Vorwürfe und berichtet stattdessen von Übergriffen durch den Angeklagten, darunter ein Angriff mit Pfefferspray an der Wohnungstür.
Der Zeuge schilderte außerdem zahlreiche Vorfälle im Vorfeld des Brandes. So sei es wiederholt zu Auseinandersetzungen wegen lauter Musik gekommen, die zu Polizeieinsätzen führten. Zudem sei Post aus seinem Briefkasten verschwunden, darunter seine Bankkarte und die zugehörige PIN. Kurz darauf seien unrechtmäßig 460 Euro von seinem Konto abgehoben worden, außerdem seien über das Konto Lottospiele abgewickelt worden.
Auch seien mehrfach ölige Flüssigkeiten auf seiner Fußmatte festgestellt worden. Vor dem Brand sei die Matte derart durchnässt gewesen, dass sie entsorgt werden musste. Am Brandtag habe er Brandgeruch wahrgenommen und sei durch Zurufe einer Nachbarin alarmiert worden. Er habe das Gebäude mit Hausschuhen und Wohnungsschlüssel verlassen – und sich vor einer plötzlich verschlossenen Haustür wiedergefunden, was zuvor nie der Fall gewesen sei.
Besonders brisant ist der Umstand, dass sich laut Angaben der Nebenklage der Angeklagte noch in derselben Nacht über den Brand in Wuppertal im Internet informiert haben soll. Auch die Tatsache, dass sich am Tag des Brandes mehrere Gasflaschen im Treppenhaus befanden, die zuvor keinem Bewohner aufgefallen waren, wirft neue Fragen auf. Diese Details führten zur erneuten Überprüfung des damaligen Brandgeschehens durch die Ermittlungsbehörden.
Die Verhandlung vor dem Landgericht Wuppertal wird fortgesetzt. Die Verteidigung des Angeklagten kündigte an, zunächst Einsicht in die neuen Ermittlungsakten zu nehmen.
