Seit Jahren ohne Tierheim: Wuppertal auf der Suche nach einer Lösung

von Daniel Dragon
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Wuppertal – Während in Deutschland jedes Jahr rund 350.000 Haustiere in Tierheimen abgegeben werden, fehlt in Wuppertal seit 2016 eine zentrale Einrichtung zur Aufnahme und Versorgung von Fund- und Abgabetieren. Die Schließung des damaligen Tierheims hat weitreichende Folgen – für die Stadt, den Tierschutz und die betroffenen Tiere.

Eine Stadt ohne Tierheim: Ursachen und aktuelle Situation

Die Aufgabe eines Haustiers kann viele Gründe haben: Überforderung, veränderte Lebensumstände oder die Rückgabe einst während der Coronapandemie adoptierten Tiere. Während die meisten Kommunen diese Problematik durch ein funktionierendes Netz an Tierheimen abfangen können, steht Wuppertal seit fast einem Jahrzehnt ohne feste Anlaufstelle da.

Die Schließung des Tierheims im Jahr 2016 war das Ergebnis gescheiterter Finanzverhandlungen zwischen der Stadt und dem zuständigen Tierschutzverein. Die geforderten höheren Zuschüsse für Pflege, Unterbringung und tierärztliche Versorgung blieben aus – die Folge war das Ende des Betriebes.

Heute werden Fundtiere dezentral untergebracht, meist durch engagierte Vereine und Privatpersonen. Die Situation ist für alle Beteiligten unbefriedigend: fehlende Kapazitäten, mangelnde Planungssicherheit und unklare Zuständigkeiten prägen den Alltag.

Gesetzliche Pflichten und praktische Herausforderungen

Nach geltendem Recht sind Städte verpflichtet, herrenlose Tiere aufzunehmen und zu versorgen. Dies umfasst Fundtiere wie verletzte Katzen oder herrenlose Hunde. Für Tiere, die aus privaten Gründen abgegeben werden, besteht hingegen keine gesetzliche Verpflichtung seitens der Kommune.

In der Praxis führt diese Unterscheidung zu erheblichen Schwierigkeiten: Einerseits müssen Fundtiere ordnungsgemäß untergebracht werden, andererseits bleibt für abgegebene Tiere oft kein Platz – ein Zustand, der die Belastung für ehrenamtliche Tierschutzinitiativen zusätzlich erhöht.

Üblicherweise werden Tierheime nicht direkt von Städten betrieben, sondern durch Vereine organisiert, die entsprechende Verträge mit den Kommunen abschließen. Dieses Modell war auch in Wuppertal lange Zeit üblich – bis zum Bruch im Jahr 2016.

Hoffnungsschimmer: Neues Tierschutzzentrum entsteht

Ein erster Schritt zur Verbesserung der Situation ist seit 2022 in Arbeit: Auf dem Gelände der Bergischen Diakonie in Wülfrath entsteht ein neues Tierschutzzentrum. Der Verein Pechpfoten e.V. treibt das Projekt maßgeblich voran und will künftig nicht nur Fundtiere aufnehmen, sondern auch verlässliche Strukturen für Abgabetiere schaffen.

Aktuell kümmern sich kleinere Organisationen wie der Katzenschutzbund um besonders schwer vermittelbare Tiere. Doch diese Initiativen arbeiten am Limit – sowohl personell als auch finanziell.

Das geplante Zentrum soll diese Lücke schließen und gleichzeitig als Partner für die Stadt fungieren, um die gesetzlich geforderte Versorgung sicherzustellen.

Perspektiven für die Zukunft

Die Situation in Wuppertal verdeutlicht, wie notwendig eine enge Zusammenarbeit zwischen Stadtverwaltung, Politik und Tierschutzorganisationen ist. Nur durch verbindliche Verträge, auskömmliche Finanzierung und nachhaltige Konzepte kann ein dauerhaft tragfähiges Angebot geschaffen werden.

Die Initiative für das neue Tierschutzzentrum ist ein positives Signal – doch ob es reicht, um die gravierenden Defizite der vergangenen Jahre aufzuholen, wird sich zeigen müssen. Fest steht: Ohne eine gemeinsame Anstrengung bleibt die Versorgung von Fund- und Abgabetieren in Wuppertal auch künftig eine offene Baustelle.

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