Zukunft der Kirchlichen Hochschule Wuppertal: Entwickeln statt Abwickeln

von Lena von Esch

Die Zukunft der Kirchlichen Hochschule Wuppertal (KiHo) steht auf dem Prüfstand. Ein von einem lokalen Bündnis entwickeltes Konzept mit dem Titel „Exposé Bildungscampus Heiliger Berg“ soll die drohende Schließung der Hochschule abwenden und zugleich ihre Rolle als theologisches Bildungszentrum neu definieren.

Bündnis präsentiert Vision für Bildungscampus

Das im Mai 2024 gegründete „Wuppertaler Bündnis Kirchliche Hochschule“, initiiert vom SPD-Bundestagsabgeordneten Helge Lindh, hat ein umfassendes Planungspapier vorgestellt. Ziel ist die Weiterführung der KiHo als unabhängige, evangelisch-theologische Ausbildungsstätte, die seit ihrer Gründung 1935 zentral für die Ausbildung von Pfarrerinnen und Pfarrern steht.

Das Bündnis plädiert jedoch auch für eine Erweiterung der Nutzung: Der Campus soll ein interdisziplinärer Ort werden, an dem Akteure aus Theologie, Wissenschaft, Wirtschaft, Kunst, Kultur und Gesellschaft zusammenkommen. „Wir wollen aus der Hochschule einen Bildungscampus machen, der weit über Wuppertal hinausstrahlt“, so Lindh.

Geschichte und Tradition der KiHo

Die Kirchliche Hochschule Wuppertal wurde inmitten der nationalsozialistischen Gleichschaltungstendenzen gegründet und diente der Bekennenden Kirche als unabhängige Ausbildungsstätte. Nach dem Krieg wurde die Hochschule neu eröffnet und hat sich seither als kleiner, aber bedeutender theologischer Bildungsort etabliert. Zu den Studienangeboten gehören heute der Magister Theologiae, der Master of Theological Studies sowie Promotions- und Habilitationsmöglichkeiten.

Interdisziplinärer Ansatz und gesellschaftlicher Mehrwert

Im vorgestellten Exposé wird die KiHo als „Diskursraum“ beschrieben, in dem sich Kirchen, Religionsgemeinschaften, NGOs, soziale Verbände, Wissenschaft, Kultur und Wirtschaft begegnen. Geplant ist, die bestehenden Räumlichkeiten – darunter modern ausgestattete Hörsäle, Seminarräume und ein Gästehaus – für ein breites Spektrum an Bildungseinrichtungen zu öffnen. Denkbar seien Start-ups, Initiativen und Werkstätten, die sich mit gesellschaftlichen Zukunftsthemen beschäftigen.

„Gemeinsam können wir Lösungen für globale und soziale Herausforderungen entwickeln“, betonte Pfarrer i.R. Erhard Ufermann, einer der Impulsgeber des Konzepts. Damit das Vorhaben erfolgreich umgesetzt werden kann, schlägt das Bündnis ein dreijähriges Projektmanagement vor, das die Koordination zwischen den beteiligten Akteuren übernimmt.

Kirchliche Träger stehen vor Entscheidungen

Die Zukunft der KiHo ist eng mit den Entscheidungen ihrer Trägerkirchen, der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) und der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW), verbunden. Beide haben aufgrund finanzieller Engpässe Kürzungen angekündigt. Aktuell beläuft sich der Zuschuss der Kirchen auf rund 4,24 Millionen Euro pro Jahr.

Die EKiR prüft derzeit, wie die Hochschule grundlegend reformiert und in einen theologischen Bildungscampus integriert werden könnte. Eine Entscheidung wird auf der nächsten Landessynode im Februar 2025 erwartet.

Warnung vor Schließung

Das Bündnis warnt vor den weitreichenden Folgen einer Schließung. „Eine Abwicklung der KiHo wäre ein fatales Signal – auch angesichts des schwindenden gesellschaftlichen Einflusses der Kirchen und der sinkenden Studierendenzahlen in den Theologischen Fakultäten“, erklärte Helge Lindh. Stattdessen sei die Rettung der KiHo eine „zivilgesellschaftliche Aufgabe“, die weit über kirchliche Belange hinausgehe.

Einzigartiges Profil der KiHo

Die Kirchliche Hochschule Wuppertal verbindet Tradition und Innovation. Ihr Profil basiert auf drei Missionen: der Fortführung der Tradition der Bekennenden Kirche, der Innovation in theologischer Forschung und Lehre sowie der Nachwuchsgewinnung für Kirche und Gesellschaft. Der „vierdimensionale Bildungsort“ umfasst Hörsäle, eine Fachbibliothek, Wohnheime und eine Kapelle, die den Studierenden ein intensives und gemeinschaftliches Lernumfeld bieten.

Das „Exposé Bildungscampus Heiliger Berg“ ist eine Einladung an die Evangelische Kirche, die Stadt Wuppertal und die gesamte Gesellschaft, gemeinsam in die Zukunft zu investieren. Ob die Landessynode diesen Weg einschlagen wird, entscheidet sich Anfang Februar 2025.

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