Wuppertal setzt auf Ausbildung und Praktika: Offensive gegen Fachkräftemangel

WupperTalentZentrum als zentrale Ausbildungsplattform Foto: IG BAU | Tobias Seifert

Angesichts steigender Personalbedarfe durch Fachkräftemangel, Fluktuation und einen bevorstehenden Generationswechsel hat die Stadt Wuppertal ihre Anstrengungen zur Personalgewinnung erheblich ausgeweitet. Mit einer umfangreichen Ausbildungsoffensive, der Einführung neuer Praktikumsstandards und dem Aufbau des Ausbildungszentrums „WupperTalentZentrum“ (WTZ) stellt die Verwaltung die Weichen für eine zukunftssichere Personalstruktur.

1.000 Stellen müssen bis 2027 ersetzt werden

Bis Ende 2027 wird die Stadt voraussichtlich mehr als 1.000 Mitarbeitende verlieren – sei es durch Renteneintritt oder andere Gründe. „Um unsere zahlreichen Aufgaben weiterhin mit hoher Qualität erfüllen zu können, bleibt die Ausbildung eine zentrale Säule der Personalgewinnung“, erklärt Dr. Sandra Zeh, Personaldezernentin der Stadt.

Aktuell beschäftigt die Stadt 436 Auszubildende und bietet für das Jahr 2025 insgesamt 309 Ausbildungsplätze an. Zum Vergleich: 2018 waren es lediglich 142 Auszubildende. Der kontinuierliche Ausbau spiegelt die Bemühungen wider, den Fachkräftemangel aktiv zu bekämpfen.

WupperTalentZentrum als zentrale Ausbildungsplattform

Ein wichtiger Baustein der Offensive ist das 2024 eröffnete WupperTalentZentrum (WTZ). Das Schulungszentrum wurde mit dem Ziel konzipiert, die Ausbildung zu modernisieren und zu professionalisieren. Übergangsweise ist das WTZ am Standort „An der Bergbahn“ untergebracht, bevor es 2025 in das ehemalige Jobcenter-Gebäude an der Hoeftstraße umzieht. Dort stehen auf 1.200 Quadratmetern zusätzliche Kapazitäten für 15 bis 20 Auszubildende bereit.

Das WTZ ermöglicht nicht nur eine fachliche Ausbildung in modernen Räumlichkeiten, sondern fördert auch bereichsübergreifende Zusammenarbeit. „Im Zentrum arbeiten die Azubis an gemeinsamen Projekten und Aufgaben verschiedener Ämter, was ihnen nicht nur Einblicke in die Verwaltung, sondern auch wertvolle Praxiserfahrungen bietet“, erläutert Alexander Engelhard, Leiter der Ausbildungsabteilung.

Ein besonderes Merkmal des Zentrums ist die gezielte Förderung von Menschen mit kognitiven Einschränkungen, die dort eine Ausbildung zur Fachpraktikerin oder zum Fachpraktiker für Büromanagement absolvieren können.

Neue Praktikumsstandards – Erste Erfolge

Zusätzlich zur Ausbildung hat die Stadt ein neues Praktikumskonzept entwickelt, das seit 2023 umgesetzt wird. Die neuen Grundregeln legen einheitliche Standards für verschiedene Praktikumsarten fest, darunter Schulpraktika, Informationspraktika sowie Praktika im Rahmen von Umschulungen oder Studien.

Die Bilanz des ersten Jahres fällt positiv aus: Bereits mehrere Praktikantinnen und Praktikanten konnten für eine Ausbildung oder ein Studium gewonnen werden. „Praktika bieten jungen Menschen eine gute Möglichkeit, die Arbeit der Stadtverwaltung kennenzulernen und sich für eine berufliche Zukunft bei der Stadt zu entscheiden“, so Engelhard.

Engpässe in bestimmten Berufen

Trotz der vielfältigen Ausbildungsangebote kämpft die Stadt weiterhin mit Engpässen in einigen Berufsfeldern. Besonders schwierig gestaltet sich die Suche nach Auszubildenden in den Bereichen KFZ-Mechatronik, Straßenwärter, Fachkräfte für den Bäderbetrieb und Erziehung.

Für insgesamt 22 Berufe laufen aktuell noch Ausschreibungen. Interessierte finden Informationen auf der Website der Stadt unter www.wuppertal.de/wuppertalent.

Die Stadt arbeitet auch daran, sich als attraktive Arbeitgeberin zu präsentieren. Neben den Maßnahmen im Bereich Ausbildung und Praktika wird aktuell an einer neuen Arbeitgebenden-Marke gearbeitet, die im Recruiting neue Akzente setzen soll.

„Unser Ziel ist es, eine attraktive Arbeitgeberin zu sein und durch eine qualitätsorientierte Ausbildung langfristig Fachkräfte für die Verwaltung zu gewinnen“, resümiert Dr. Sandra Zeh. 

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